Was passiert, wenn wir längst wissen, was zu tun wäre – es aber trotzdem nicht gemeinsam schaffen? „Mut zur Demokratie“ bringt am 8. November 2026 in Berlin Menschen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und staatlichen Institutionen zusammen, um aus Fehlern zu lernen, Verbindungen zu schaffen und demokratische Handlungsfähigkeit zu stärken.
Manchmal verändern zwei handgeschriebene Worte den Blick auf ein ganzes Projekt.
Vor einiger Zeit gab mir eine Politikwissenschaftlerin ihr Buch Solidarität. In die Widmung schrieb sie einen Satz, der mich seitdem begleitet:
„Solidarität ist eine Waffe.“
Damals fand ich den Satz schon treffend. Heute verstehe ich ihn noch besser.
Denn je länger wir an einem neuen Veranstaltungsformat für die Demokratie arbeiten, desto deutlicher wird: Unser eigentliches Problem ist häufig nicht mangelndes Wissen. Unser Problem ist, dass wir zu selten gemeinsam handeln.
Genau dort setzt „Mut zur Demokratie“ an: Das neue Event bringt am 8. November 2026 in Berlin demokratische Akteur*innen zusammen, damit aus geteilten Erfahrungen, gegenseitigem Lernen und neuen Verbindungen gemeinsame Handlungsfähigkeit entstehen kann.
Wir wissen oft erstaunlich viel
Ob Pflege, Bildung, Polizei, Justiz, Klima oder soziale Gerechtigkeit – zu vielen großen gesellschaftlichen Herausforderungen liegen wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrungen und internationale Beispiele längst vor.
Trotzdem erleben viele Menschen in Behörden, Vereinen, Stiftungen oder Initiativen immer wieder dasselbe: Reformen versanden, Projekte scheitern oder gute Ideen finden keinen politischen Rückhalt.
Die Frage lautet deshalb häufig nicht mehr: Was müssten wir tun?
Sondern:
Wieso gelingt es uns so selten, vorhandene Erkenntnisse gemeinsam in die Praxis umzusetzen?
Dabei unterscheiden wir bewusst zwischen zwei Arten von Fehlern: jenen, die unvermeidbar sind, wenn Menschen Neuland betreten, und jenen, die vermeidbar wären, weil wir längst wissen, wie es besser ginge. Im Mittelpunkt unseres Formats stehen vor allem Letztere.
Aus einer Idee wird etwas Größeres
Ursprünglich wollten wir eine klassische Fuck-Up Night für die Demokratie organisieren – einen Raum, in dem Menschen offen über gescheiterte Projekte und schwierige Erfahrungen sprechen.
Eine Kollegin hat dieses Konzept bereits im Newsletter vorgestellt und beschrieben, warum eine offene Fehlerkultur demokratische Institutionen stärken kann.
Im Laufe der Gespräche entwickelte sich daraus jedoch etwas Anderes – und mit dem Format veränderte sich auch sein Name. Aus der „Fuck-Up Night für die Demokratie“ wurde „Mut zur Demokratie: Das Event über Scheitern, Lernen und gemeinsames Handeln“.
Uns wurde klar: Die Geschichten über das Scheitern sind der Anfang. Sie schaffen den Raum für Ehrlichkeit, machen strukturelle Probleme sichtbar und zeigen: Mit Frustration und Rückschlägen ist niemand allein. Ihre eigentliche Kraft entfalten sie jedoch dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, voneinander lernen und gemeinsam konkrete Lösungsansätze und nächste Schritte entwickeln.
Denn viele Organisationen aus Polizei, Justiz, Wissenschaft und Zivilgesellschaft arbeiten an ähnlichen Herausforderungen – häufig ohne voneinander zu wissen oder miteinander in Kontakt zu kommen. Das wollen wir ändern. Im Austausch sollen persönliche Erfahrungsberichte („Fuck-ups“) zum Ausgangspunkt für Vernetzung, gegenseitiges Lernen und gemeinsame Handlungsfähigkeit werden.
Echte Geschichten, strukturelles Scheitern – und kollektive Lösungen: Diese drei Elemente bilden heute den Kern von „Mut zur Demokratie“.
Aus Fehleranalyse wird Handlungsfähigkeit
Deshalb planen wir für den 08. November 2026 in Berlin kein klassisches Konferenzformat.
„Mut zur Demokratie“ verbindet persönliche Erfahrungsberichte, politische Analyse, Vernetzung und konkrete Beteiligungsmöglichkeiten.
Unser Ziel ist dabei nicht allein eine gelungene Veranstaltung. Wir möchten, dass daraus neue Verbindungen entstehen: zwischen Organisationen, zwischen Wissenschaft und Praxis, zwischen staatlichen Institutionen und Zivilgesellschaft. Im besten Fall entwickeln sich daraus gemeinsame Anliegen, Kooperationen, Kampagnen und anschlussfähige Forderungen, die weit über den Veranstaltungstag hinaus wirken.
Das Event versteht sich nicht als Ort parteipolitischer Debatten, sondern als Ort, an dem Erfahrungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und gesellschaftliche Praxis zusammenkommen. Die Einladung an die Politik lautet, daraus Konsequenzen zu ziehen – in Form evidenzbasierter, gemeinwohlorientierter und gütigekräftiger Entscheidungen.
Im Zentrum stehen interaktive öffentliche Panels, die als mutige Gesprächsräume angelegt sind. Akteur*innen aus Polizei, Justiz, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Sozialer Arbeit berichten dort offen von gescheiterten Vorhaben, strukturellen Hürden und politischen Frustrationserfahrungen.
An diese Panels schließen Safe-to-Brave-Angebote an: kleinere Räume, in denen Erfahrungen vertieft, Vertrauen aufgebaut und mögliche gemeinsame Anliegen sichtbar werden können. So entsteht ein Übergang von ehrlicher Analyse zu gemeinsamer Handlung.
Der Tag folgt einer bewussten Dramaturgie: von interaktiven öffentlichen Panels über Safe-to-Brave-Räume und offene Vernetzungsformate bis zum gemeinsamen Abend. Unser augenzwinkerndes Motto dafür lautet: „From safe to brave to rave.“ Denn Vertrauen, neue Ideen und gemeinsame Vorhaben entstehen oft auch dort, wo Menschen sich jenseits formaler Formate begegnen.
Bereits Interesse signalisiert oder ihre Mitwirkung in Aussicht gestellt haben Organisationen aus sehr unterschiedlichen Bereichen – darunter Better Police, die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), die AWO Rheinland und ArbeiterKind.de. Genau diese Vielfalt ist Teil der Idee: Unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, die sich für dieselbe demokratische Aufgabe einsetzen, sich sonst trotz gemeinsamer Anliegen aber vielleicht nur selten begegnen.
Das Event versteht sich ausdrücklich als Anknüpfungspunkt für bestehende Projekte, Netzwerke und Kooperationen. Es möchte nicht ersetzen, sondern verbinden und verstärken.
Nicht nur Organisationen, auch Besucher*innen sind Teil dieses Prozesses. Das Event möchte informieren, Begegnungen ermöglichen und konkrete Handlungsoptionen sichtbar machen. Was braucht es, damit gute Ideen aus Wissenschaft, Verwaltung oder Zivilgesellschaft tatsächlich umgesetzt werden? Welche Menschen und Organisationen müssen dafür miteinander ins Gespräch kommen? Wo können gemeinsame Kampagnen, Forderungen oder Kooperationen entstehen? Und welchen konkreten Beitrag können Einzelne dazu leisten?
Unser Ziel ist, dass Besucher*innen nicht nur mit neuen Gedanken nach Hause gehen, sondern mit neuen Kontakten, konkreten Beteiligungsmöglichkeiten und mindestens einer Idee, wie sie selbst Demokratie mitgestalten können.
Ein weiterer Schwerpunkt wird darauf liegen, gemeinsame Anliegen sichtbar zu machen und anschlussfähige Forderungen zu identifizieren – als Grundlage für zukünftige Zusammenarbeit und gemeinsames politisches Handeln.
Solidarität sichtbar machen
Vielleicht besteht eine der größten Herausforderungen unserer Zeit darin, dass demokratisches Engagement häufig unsichtbar bleibt.
Es gibt unzählige Organisationen, Initiativen und engagierte Menschen. Sie arbeiten in unterschiedlichen Themenfeldern, mit unterschiedlichen Methoden und manchmal auch mit unterschiedlichen politischen Perspektiven.
Und dennoch verbindet sie oft mehr, als sie trennt.
Solidarität verbindet
Je länger wir an diesem Projekt arbeiten, desto klarer wird: Die Veranstaltung soll kein Selbstzweck sein.
Sie ist ein Pilot. Und vielleicht auch ein kleiner Baustein für das, was man demokratische Infrastruktur nennen könnte: Räume, in denen Menschen nicht nur über Probleme sprechen, sondern Beziehungen, Vertrauen und gemeinsame Handlungsoptionen entwickeln.
Der Satz „Solidarität ist eine Waffe“ bedeutet in diesem Zusammenhang etwas anderes, als er zunächst vermuten lässt.
Solidarität richtet sich gegen Ohnmacht, Vereinzelung und Resignation.
Sie entsteht dort, wo Menschen bereit sind, Erfahrungen zu teilen, Fehler einzugestehen, voneinander zu lernen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Wo Zivilgesellschaft, Wissenschaft und staatliche Institutionen einander zuhören.
Wo unterschiedliche Perspektiven gemeinsame Anliegen sichtbar machen.
Und wo demokratisches Engagement wieder als das erlebt wird, was es sein kann: gemeinsame Handlungsfähigkeit. Demokratie beginnt manchmal genau so: Wenn Menschen, die sich bisher fremd waren, feststellen, dass sie längst auf derselben Seite stehen.
Anmeldung unter: https://kraeftigeguetestiftung-newsletter.de/mut-zur-demokratie/
Beitragsbild: Unsplash

